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Beiträge mit dem Schlagwort 'Poesie'

Die Abergläubische

Subkultur Aberglaube

Sie litt an starkem Aberglauben.
Man mühte sich, ihn ihr zu rauben,
und mehr als eine riet der Schönen,
sie möge sich ihn abgewöhnen.

Allein sie sprach: “Das geht nicht gut.
Es steckt mir so in Fleisch und Blut,
daß ich zum Beispiel meinen Mann
am Freitag nicht betrügen kann.”

Arthur Pserhofer, 1873 - 1907

Nach dem Regen

Die Vögel zwitschern, die Mücken
Sie tanzen im Sonnenschein,
Tiefgrüne feuchte Reben
Gucken ins Fenster herein.

Die Tauben girren und kosen
Dort auf dem niedern Dach,
Im Garten jagen spielend
Die Buben den Mädeln nach.

Es knistert in den Büschen,
Es zieht durch die helle Luft
Das Klingen fallender Tropfen,
Der Sommerregenduft.

Ada Christen, 1839-1901

Nach dem Regen oder besser gesagt: nach den Gewittern der letzten beiden Tage sieht es bei uns nicht so idyllisch aus, wie es Christen beschreibt. Der Hagel und Sturm haben meine Blumen verwüstet, der heftige Guss beschert mir einen Fensterputztag. Aber klar, der Sommer braucht seinen Regen, damit die Natur in ihren besten Farben erstrahlt. Es könnte aber gerne bei einem gemütlichen Schauerregen bleiben. Es muss ja nicht bei allem so übertrieben werden …

Mittagszauber (Geibel)

Im Garten wandelt hohe Mittagszeit,
Der Rasen glänzt, die Wipfel schatten breit;
Von oben sieht, getaucht in Sonnenschein
Und leuchtend Blau, der alte Dom herein.

Am Birnbaum sitzt mein Töchterchen im Gras;
Die Märchen liest sie, die als Kind ich las;
Ihr Antlitz glüht, es ziehn durch ihren Sinn
Schneewittchen, Däumling, Schlangenkönigin.

Kein Laut von außen stört´s; ´s ist Feiertag -
Nur dann und wann vom Turm ein Glockenschlag!
Nur dann und wann der mattgedämpfte Schall
Im hohen Gras von eines Apfels Fall!

Da kommt auf mich ein Dämmern wunderbar,
Gleichwie im Traum verschmilzt, was ist und war:
Die Seele löst sich und verliert sich weit
Ins Märchenreich der eignen Kinderzeit.

Emanuel Geibel, 1815 - 1884

Der Sommerfaden

Da fliegt, als wir im Felde gehen,
Ein Sommerfaden über Land,
Ein leicht und licht Gespinst der Feen,
Und knüpft von mir zu ihr ein Band.
Ich nehm’ ihn für ein günstig Zeichen,
Ein Zeichen, wie die Lieb’ es braucht.
O Hoffnungen der Hoffnungsreichen,
Aus Duft gewebt, von Luft zerhaucht!

Ludwig Uhland, 1787-1847

Mondnacht (Eichendorff)

Zum heutigen Vollmond ab 12:25:24 Uhr, so richtig “fühlbar” wird er erst gegen Abend. Aber man kann sich ja darauf einstimmen ;-)

Mondnacht

Es war, als hätt der Himmel
Die Erde still geküßt,
Daß sie im Blütenschimmer
Von ihm nun träumen müßt.
Die Luft ging durch die Felder,
Die Ähren wogten sacht,
Es rauschten leis die Wälder,
So sternklar war die Nacht.

Und meine Seele spannte
Weit ihre Flügel aus,
Flog durch die stillen Lande,
Als flöge sie nach Haus…

(Joseph Freiherr von Eichendorff)

Am Ostermorgen

Am Ostermorgen schwang die Lerche
sich auf aus irdischem Gebiet
und, schwebend überm stillen Pferche
der Hirten, sang sie dieses Lied:
Erwacht! Die Nacht entflieht.
Das Licht zerbricht
die Macht der Nacht;
erwacht ihr Lämmer all, erwacht,
auf feuchtem Rasen kniet!

Es ward von einem Osterlamme
getan für alle Welt genug,
das blutend an dem Kreuzesstamme
die Schuld der ganzen Herde trug.
Des Sieges Stunde schlug!
Das Grab, es gab
den Raub vom Staub
zurück; nun weidet grünes Laub,
ihr Lämmer fromm und klug!

Der Baum des Lebens, fluchbeladen,
stand abgestorben, dürr und tot.
Des Lammes Blut ihn mußte baden;
nun wird es blühend rosenrot.
Gewendet ist die Not!
O seht, her geht
der Hirt, der wird
die Herde weiden unverirrt
im neuen Morgenrot.

Friedrich Rückert, 1788-1866

Tulpen

045.jpgDie Tulpe stammt ursprünglich aus Mittelasien und wurde im 16. Jhdt. in Europa kultiviert. Im Mittelalter war es eine sehr wertvolle Pflanze, vergleichbar mit Edelsteinen. Sie kommt in einigen Sagen vor.
Ihren Reiz hat die Tulpe bis heute ja nicht verloren.
Über 150 Arten soll es von dieser Lilienart geben. Die meisten Zuchttulpen stammen aus Holland, wild wachsende habe ich noch nie gesehen oder nicht bemerkt.

Tulpen

ihr werdet gescholten
von sentimentalischen Kennern.
Aber ein lustiger Sinn wünscht
auch ein lustiges Blatt.

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