Wörthersee Mandl
Wenn man spätabends mit dem Boot den Wörthersee an der “Schwarzen Wand” durchstreift, hört man - so man will - leise Glocken läuten. Eine Sage gibt eine Erklärung dafür:
Sie erzählt, dass vor vielen Hunderten von Jahren eben an dieser Stelle prunkvolle Häuser standen. Die Bewohner waren reich, aber Reichtum erzeugt auch Übermut und Leichtsinn. Die strengen Sitten wurden missachtet, das Leben bestand allein aus Gelagen und Völlerei.
So geschah es, dass am Vorabend des Ostersonntags die ermahnenden Glocken nicht beachtet wurden. Die Menschen feierten ausgelassen weiter bis sich die Tür öffnete und ein kleines, ergrautes Männchen im Tanzsaal erschien: “Oh, ihr Schwelger, wisst ihr nicht, welche Feier wir morgen begehen? Kehret heim, ehe die Stunde der Buße verrinnt und die Strafe euch erreicht!”
Die Gesellschaft lachte ihn aus und füllte die Weinbecher erneut, sie tanzten ausgelassen durch den Saal.
Kurz vor Mitternacht erschien der Alte ein weiteres Mal. Unter seinem Arm hielt er ein kleines Fässchen. Seine Mahnung brachte im wieder nur Gelächter.
Da schlägt es Mitternacht, alle Lichter erlöschten, die Mauern erzitterten, Regen stürzte hernieder und ein furchtbares Gewitter brach los. Aus dem Fässchen des Alten entströmten endlose Wassermassen. Sie überfluteten die Räume, die ganze Stadt, die ganze Gegend und ertränkten deren Bewohner.
So entstand der Wörthersee.
In seinen Tiefen hausen von nun an furchterregende Wasserschlagen und große Fische in Palästen und Kirchen, deren Glocken nicht verstummen wollen.








