Wie es weitergeht, wenn nichts mehr geht? Wenn das morgendliche Aufstehen als Sinnlosigkeit erscheint, Lust- und Antriebslosigkeit und chronische Müdigkeit den Alltag bestimmten - dann, ja spätestens dann … aber wer spricht schon gerne offen über seine Belastung? Das ist ganz normal - doch wer erst einmal darüber reden kann, der hat schon ein Stück gewonnen.
Das Leben stellt ständig wachsende Anforderungen an uns alle, doch manchmal sind Körper und Seele nicht mehr in der Lage, dem allen gerecht zu werden. Völlige Erschöpfung und ein Gefühl des innerlichen ausgebrannt Seins sind die Folge. Mit einem Wort - Burnout!
Dieses Phänomen kann bei Menschen aller Berufsgruppen auftreten. Besonders gefährdet sind Menschen, die in helfenden, heilenden oder in lehrenden Berufen - dazu würde ich auch eine Mutter und Hausfrau zählen - tätig sind sowie auch deren Familienmitglieder. Ich meine, weil hier die Verantwortung gegenüber Mitmenschen besonders groß ist. Das ist eine Belastung über längere Zeit mit keiner Aussicht, sie los zu werden.
Die Entwicklung des Burnout ist mit einem Wasserstrudel vergleichbar. Der Betroffene durchläuft mehrere Phasen mit fließendem Übergang, bis er an einem Nullpunkt angelangt ist. Die Erschöpfungszustände werden in den ersten Phasen nicht erkannt und auf Unzulänglichkeit geschlossen. Irgendwann gelangt man an Unzufriedenheit und kompensiert diese mit noch mehr Einsatz. Die Folgen sind wohl klar. Die Zeit für das Privatleben, Familie, Hobby und Freunde wird immer geringer, der Rückzug aus dem sozialen Umfeld scheint vorprogrammiert, das Gefühl für die eigene Persönlichkeit geht verloren. Im Inneren macht sich eine bange Leere breit. Das Leben hat keinen Sinn mehr. Aus.
Wie immer im Menschsein gibt es auch hier Unterschiede zwischen Mann und Frau. Frauen fällt es vorerst wesentlich leichter über Probleme zu reden, Männer ziehen sich eher zurück. In weiterer Folge wandelt sich das Verhalten: Frauen werden ruhiger, in sich gekehrt und machen sich Vorwürfe, stellen sich sozusagen tot. Männer hingegen sind gereizt, zeigen erhöhte Risikobereitschaft z.B. beim Autofahren oder flüchten sich in Alkohol. Das Verhalten mag zwar unterschiedlich sein, doch das Ergebnis ist gleich. Die Lebensqualität ist vermindert und beeinflusst das Berufs- und Privatleben.
Überarbeitung, Erschöpfung und letztendlich Burnout sind jedoch kein Zeichen von Schwäche, sondern ein ernstzunehmendes Warnsignal.
Dieser Verlauf kann über Jahre dauern und wird meist erst ernst genommen, wenn es zu körperlichen Erkrankungen kommt. Spätestens dann heißt es zu handeln. Lethargie wäre fehl am Platz und auch Angehörige oder Freunde sollten dies nun erkennen. Hilfe ist angesagt!
Burnout ist eine Krankheit! Also ist es ratsam, einen Professionisten aufzusuchen. Keine Selbstexperimente - aber klar ist, dass der Zeitdruck abzubauen ist und der Lebensstil geändert werden muss. Entspannung, Ausgleichssport, Zeit zum Alleinsein und nochmals Entspannung oder auch die Umstellung der Ernährung ist hier vonnöten.
Psychotherapie kann eine hilfreiche Maßnahme sein sowie auch unter Umständen eine medikamentöse Therapie. Bekämpft werden müssen vor allem die Begleiterscheinungen wie Depression, Angststörung, Panikattacken oder Magen- Darmstörungen. Burnout ist das äußere Zeichen, dass man sich zu viel zugemutet hat, eine Art Hilfeschrei des Körpers und der Seele!
Ein Gespräch ist oft der beste Anfang! Eine Freundin von mir hat darüber gesprochen - und ich zugehört. Mehr kann ich nicht tun. Aber sie.