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Beiträge mit dem Schlagwort 'Gesellschaft'

Rauchverbot

Nachdem einige Länder ein totales Rauchverbot in Gaststätten und öffentlichen Gebäuden beschlossen haben, fand ich den österr. Mittelweg gut. Die Gastronomie stellt eigene (abgeschlossene) Raucherzonen zur Verfügung, kleinere Lokale haben die Wahl zwischen Nichtraucher - und Raucherbetrieb.
Ab gestern ist alles anders - zumindest die Diskussionsbasis! Als ob unsere Regierung nicht andere Probleme hätte, lässt sie (bzw. ein Teil davon) mit dem Rauchverbot aufhorchen.

Selbstverständlich bin ich als Gelegenheitsraucher dafür, Nichtraucher und Kinder zu schützen und zwar dort wo es Sinn macht. Ich möchte auch nicht überall vollgequalmt werden, aber ich sehe auch, dass in bestimmten Lokalen die Raucherecken ziemlich einsam aussehen und im Raucherbereich akuter Platzmangel herrscht.
Mit militanten Nichtrauchern zu diskutieren macht jedenfalls wenig Sinn. Sie warten mit überzogenen Statistiken auf, die ihre Argumenten völlig unglaubwürdig dastehen lassen. Die Erkrankungs- und Sterberate liest sich in Horrorzahlen, jedoch muss man sie schon hinterfragen.

Ich bin dagegen, die Rauchergruppe so massiv auszugrenzen. Raucher sind weder Mörder noch Selbstmörder. Zigaretten sind immerhin legal erwerbbar und bringen den Staat noch dazu jede Menge Steuereinnahmen. Warum soll sich ein Raucher nun quasi verstecken oder schämen müssen?

Im Übrigen fühle ich mich in Gaststätten eher durch Betrunkene gestört als durch Zigarettenrauch. Auch diese Aufregung könnte meiner Gesundheit schaden.
Man sollte über ein Alkoholverbot nachdenken und natürlich über den fetten Schweinsbraten in bodenständigen Restaurants. Zwar schadet man dadurch nur der eigenen Gesundheit (Passivessen gibt es NOCH nicht) - aber es gibt Statistiken, dass man in Gesellschaft fettleibiger Personen leicht selbst zu Fehlernährung verleitet wird.

Klug - Dumm (Heine)

Ein Kluger weiß alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen.
Heinrich Heine, 1797 - 1856,
deutscher Dichter und Journalist

Ja bestimmt ;-) - wie klingt denn das in Bloggerohren?

Gleichberechtigung

Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau ist nur möglich, wenn die Frau sich unterordnet.
Marcus Valerius Martialis oder kurz Martial,
römischer Satiriker und Epigrammdichter

Martial lebte etwa zwischen 40 und 100 n. Chr. Seine zitierten Gedanken liegen also fast 2000 Jahre zurück. Sie könnten ebenso aus der heutigen Zeit stammen.
Noch immer hat der Weltfrauentag seine Berechtigung und seine Bedeutung. Auch in Ländern, wo Frauen an der Spitze sind, der Schein der Gleichstellung gewahrt wird. Der Alltag der Frauen sieht keine Gleichberechtigung vor, in der Arbeitswelt gibt es deutliche Einkommensunterschiede bei gleicher Qualifikation.
In vielen Staaten der Welt sieht die Situation noch trister aus.

Ein Bekannter, den ich heute zufällig im Supermarkt traf, gratulierte mir zum Frauentag. “Lass es dir heute besonders gut gehen!”.
Wozu soll mir gratuliert werden? Nur weil ich in ein Umfeld geboren wurde, in dem es mir als Frau gut geht. Ich sehe für mich persönlich absolut keine Benachteiligung. Aber ist das mein Verdienst? Soll ich es mir heute besonders gut gehen lassen in dem Wissen, dass es so vielen anderen Frauen in dieser Welt nicht gut geht?
Nicht dass ich heute einen Heultag einlege, nein - ich mache gar nichts besonderes. Obwohl jeder von uns - nicht nur am Weltfrauentag - sondern das ganze Jahr über, sich für diese Angelegenheit einsetzen könnte.

Soziale Kompetenz

Vor kurzem habe ich ein Buch gelesen, das sich damit beschäftigt, wie sich Unsicherheit, soziale Inkompetenz (unter anderem) auswirken kann.

- Menschen, die ihre Meinung mit aller Kraft und Lautstärke vertreten wollen sich geradezu selbst davon überzeugen;

- Menschen, die mehr oder weniger ungefragt ständig erzählen, wie toll ihr Leben ist versetzen sich damit selbst in ein Wunschdenken, das sie anderen aufzwängen wollen. Wird es nicht bestätigt, so setzen sie gerne noch eines drauf;

- Menschen, die ihre Mitmenschen und ihre Handlungsweisen ständig in Frage stellen, versetzen sich in den Wunsch etwas Besseres, etwas Annerkannteres zu sein;

- Menschen, die keine Kritik vertragen haben ein Anerkennungsproblem;

- Menschen, die ihr sanftes Wesen über Gebühr betonen, hätten es zwar gerne, doch es bleibt bei diesem Wunsch….

- Menschen, die oft darüber sprechen, wie nächstenliebend und hilfegebend sie sind, wollen dafür mit Anerkennung belohnt werden und sind für andere kaum offen - auch wenn sie es gerne wären;

- Menschen, die sich selbst nicht akzeptieren, werden selten ein sicheres Auftreten glaubhaft vermitteln können;

- Menschen, die sich zu sehr auf sich selbst konzentrieren, verlieren die Realität zum “Normalzustand”;

- usw.

Heute war eine Bekannte, die ich schon sehr, sehr lange nicht mehr gesehen habe (eh nur kurz!) zu Besuch. Ich bin kein schweigsamer Typ, doch ich habe keine 10 Sätze gesprochen - mir war es zu mühsam, zu Wort zu kommen. Dafür hatte ich jedoch Zeit, das Gehabe meiner Freundin auf dieses Buch umzulegen.
Mir ist sehr klar, dass Theorie niemals 100 %ig umlegbar ist und viele Faktoren eine Rolle auf die Zuordnung von Eigenschaften und Verhaltensweisen spielen. Doch - gerade weil ich sowieso in die Rolle des bedingungslosen Zuhörers gedrängt wurde - hatte ich sehr, sehr viel Zeit zum Nachdenken.
…. Soziale Kompetenz ist erlernbar.

Drei Mädels

Wahre Freundschaft findet man selten. Ich habe zwar sehr viele Bekannte, die ich durch die Kinder, durch den Beruf und meine vielfältigen Aktivitäten kennen lerne, aber Freunde kann ich an einer Hand abzählen. Das kommt wohl daher, dass ich mir selten wirklich Zeit nehme, eine Bekanntschaft zu intensivieren. Die meisten Begegnungen überlasse ich dem Zufall und ich bin wohl selber als Freund meist unzuverlässig. Damit haben Bekannte sicher ein Problem, das ich verstehen, aber nicht ändern kann/will. Damit kann ich allerdings gut leben. Mein bester Freund ist ohnehin mein Mann ;-). Erzählen wollte ich allerdings von einer anderen Art von Freundschaft und von meinen zwei “Mädels”:

Mit zwei lieben Menschen, die ich schon von der Grundschule her kenne - und das sind immerhin fast 35 Jahre - verbindet mich eine besondere Beziehung, die Bestand und Wichtigkeit hat.
Wir sind grundverschieden, ich möchte fast sagen, uns trennen Welten.
Die beiden sind ungebunden und kinderlos, ich habe Familie. Die Eine ist ständig “on Tour”, geistert in der (VIP)-Welt genauso wie in Beziehungs(kisten) rum, sie ist leitende Angestellte in der Reisebranche. Die Andere ist sozial und politisch engagiert, hetzt von der einen zur anderen Veranstaltung, die sie oft genug selber organisiert, im Gesundheitswesen leitend tätig und nimmt sich keine Zeit für dauerhafte Beziehungen. Karriere- und Gesellschaftsmenschen, jedoch im positiven Sinne und auf verschiedenen Terrains. Ja - und ich habe Familie, wie gesagt….. meinen Vormittagsjob und meine Firma … und natürlich auch ein Leben, doch ruhiger - anders eben.

Seit rund 20 Jahren treffen wir uns genau drei Mal im Jahr. Aber das mit Konsequenz und Freude. Hat jemand von uns Geburtstag - wir sind alle im gleichen Jahr geboren - so gibt es ein gemeinsames Treffen bzw. Essen in einem Restaurant, das jeweils die zwei anderen spendieren. Das Lokal wird im Geheimen abgesprochen und ist für das Geburtstagskind jedes Mal eine “Überraschung”.
Was wir uns alles zu erzählen haben! Nicht nur Tratsch und Oberflächliches, nein wir haben Vertrauen und Verständnis für einander. Wir tolerieren uns ganz selbstverständlich, wie wir sind, mit all unseren Unterschieden und kontroversen Lebenseinstellungen. Wir hören einander zu und sprechen MITeinander. Ich finde diese Treffen äußerst interessant und spaßig. Sie zählen fast zu den Highlights des Jahres *gg*. Aus diesen Gesprächen nehme ich jedes Mal so viel mit, eben weil wir so verschieden sind und ich weiß, dass es den beiden “Mädels” auch so geht.

Jedes Mal nehmen wir uns dringend vor, uns so schnell wie möglich wieder zu treffen. Wir wissen jedoch nur zu gut, dass das nicht klappt. Nur die drei Mal, die sind uns “heilig”, auf die werden wir nie verzichten, komme was wolle… auch das ist Freundschaft - auch wenn wir uns so selten treffen und voneinander hören!

Feuerlauf ist kein Spiel

Esoterik-Trip, Selbstfindung und -erfahrung, spirituell das Leben “meistern”, moderne Hexerei, selbsternannte Heiler und Seher, ominöse Shouts aus noch ominöseren Sphären, okkulte Brettspielchen online - das alles scheint sehr “in” zu sein.

Lese ich in verschiedenen Zeitschriften oder Homepages so überkommt mich das Gefühl, dass alte Lehren und Wissensschätze mehr als überstrapaziert werden. Es ist faszinierend und hilfreich zugleich, sich mit spirituellen Gedanken, tiefgreifender Seinsbedeutung oder mit bewusstseinserweiternden Vorgängen unseres Universums zu beschäftigen - doch es ist kein Hobby, sondern eine umfassende, ganzheitliche Lebens- und noch viel mehr Glaubenseinstellung. Ein Leben in Harmonie mit all seinen greifbaren und nicht greifbaren Ressourcen ist keine Wochenendbeschäftigung, Energien zu konzentrieren und zu bündeln, um sie gezielt einzusetzen, ist nicht gleich zu setzen mit einer schnellen Partie Tischtennis.

“Motivationstraining - Feuerlauf” als Betriebsausflug kann nicht gut gehen. “Wenn du das geschafft hast, kannst du alles” war das Motto. Einge davon zogen sich solche Brandwunden zu, dass sie im Krankenhaus ärztlich versorgt werden müssen.

Glaube versetzt Berge, nicht Mutproben aus Jux.

Faschingsmuffel

Der Fasching hat nur noch zwei Tage, dann wird er mit Wehklagen zu Grabe getragen.
Für den einen zum Leid, für den anderen fast als Erlösung. In vielen Blogs und Foren habe ich Beiträge von “Faschingsmuffeln” gelesen. Spaß auf Kommando ist nicht jedem gegeben.

Ist auch kaum verwundlich in der heutigen Spaßgesellschaft. Das ganze Jahr wird gespaßelt, geclubbelt und gefeiert. Verkleidung braucht es dazu auch gar nicht oder wird themenmäßig doch angenommen. Ich denke zum Beispiel an eine “Fete blanche”, die im Sommer bei uns am See stattfindet. Wie viele sich da in weiße Schale werfen, um dabei zu sein. Reserviert man nicht rechtzeitig Karten, ist man völlig “out”. Ob im Sommerurlaub oder beim Hüttenzauber im Schnee, diese Events finden das ganze Jahr statt, warum also zu Fasching den Clown raushängen lassen? Urlustig sein per Datumsanzeige ist nicht mehr.
Leid tun mir Angestellte von Geschäften, die sich verkleiden und ihr breites Faschingslächeln zur Schau stellen müssen. Und dass, obwohl die Kunden sie eher belächeln als Freude an der Maskerade zu haben. Ob das den Umsatz steigert? Wohl kaum! Ist doch megapeinlich, wenn man mit Muffellaune beim Bäcker seine Brötchen von einem “Kätzchen” über die Theke gereicht bekommt. Da ist man doch gezwungen zu lächeln, um dieses arme Spaßkätzchen nicht in eine Endfaschingdepression zu stürzen. Auch ein Gläschen Sekt? Muss man jetzt einen Witz auf Lager haben?

Der ursprüngliche Sinn, die letzte Möglichkeit vor der langen, ernsten, in sich gekehrten und kargen Fastenzeit zu völlern und sein Unwesen zu treiben, ging wohl schon lange verloren. Wer nimmt denn heute die Fastenzeit noch ernst? Ja, vielleicht ein paar “Kasteiungen” - kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Fleisch - aber satt ist man dennoch täglich und die Lokale sind auch in dieser Zeit für Spaßrunden geöffnet. Der Lebensstil ist locker, niemand wird mehr an den Pranger gestellt, weil er “aus der Rolle fällt”…. wie schön wir es doch haben!

Also klatschen wir das Ende der Faschingszeit ein, reißen wir uns noch zwei Tage zusammen und sind noch ein paar Stunden urlustig - so wie es sich gehört - mit lautem LeiLei, Helau oder Blabla!

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04
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  • Und wenn der Mensch noch so gerne immer in das Fernste schweifen möchte; er wird doch immer wieder mit der Nase auf das Nächstliegende gestoßen.
    Wilhelm Raabe
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