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Beiträge mit dem Schlagwort 'Brauchtum'

Glück ins Haus

… bringen heute vormittag die “Schapper” in manchen Teilen Österreichs. Heute - am unschuldigen Kindertag - ziehen die Kinder mit ihren Weidenruten von Haus zu Haus und bringen ihre Glücks- und Segenswünsche verbunden mit leichten Schlägen und bestimmten Sprüchen. Dafür gibts Süßigkeiten oder Geld.

Je nach Region sind die Sprüche verschieden, bei uns sind diese zwei bekannt:

Schapp, schapp
frisch und g´sund,
long leb´n, g´sund bleiben,
nix kluntzn, nix klog´n,
bis i wieder kum schlog´n.

oder

Frisch und g´sund,
frisch und g´sund,
beißt di ka Floh,
beißt di ka Hund
beißt di ka Wolf, ka Bär,
gib nua gnua Schappenguat her.

Der Brauch geht im Christentum auf den Kindsmord zu Herodeszeiten in Betlehem zurück und in den heidnischen Wurzeln wird die Sehnsucht nach dem Frühling gesehen. Ruten stehen als Symbol für Leben und Fruchtbarkeit.

Heutzutage wird der Brauch - zumindest bei uns in der Stadt - nicht mehr so wahr genommen. Ehrlich gesagt, hatte ich als Kind damit auch keine Freude und meine eigenen schicke ich auch nicht los. Nur die engeren Verwandten werden ordentlich geschappt…. übrigens, wer nach 12.00 Uhr kommt, bekommt keinen Lohn, sondern wird ins Ofenloch gesteckt!

Who is who?

Nikolaus, Krampus, Percht, Knecht Ruprecht, Weihnachtsmann, Coca-Cola-Werbeträger, Christkind. Im Laufe der Zeit sind nicht nur Kinder verwirrt, wer denn nun wann und warum Geschenke bringt.

Die Guten:

Nikolaus in MyraMorgen wird der Hlg. Nikolaus verehrt. Seine Geschichte geht auf die Wikung in der ersten Hälfte des 4. Jahrhundert als Bischof in Myra/Demre in der Türkei zurück.
Schon zu Beginn des ersten Jahrtausend wurde er im griechischen Osten verehrt, wobei die Kaisertochter Theophanu dafür mehr oder weniger Sorge trug.
Das Brauchtum bekundet die Nikolausbescherung im Mittelalter. In Klosterschulen wurde ein (Kinder)Bischof aus dem Kreise der Schüler gewählt. Seine Aufgabe war es, die braven Kinder zu beschenken und die unartigen zu bestrafen.
Lange Zeit hielt sich auch der 6. Dezember Bescherungstag in der Weihnachtszeit.
Der Nikolaus trägt Bischofsgewandung, wichtig demnach die Mitra. Das Bild zeigt den Hlg. Nikolaus vor der Kirche in Myra, die ich vor zwei Jahren besichtigte.

Zu Reformationszeiten Luthers wurde das Christkind erfunden, weil die Protestaten katholische Heilige im Allgemeinen ablehnten - und gleichzeitig der Bescherungstag auf den 24. bzw. 25. Dezember verlegt.
Im 19. Jahrhundert übernahmen immer mehr Katholiken diesen Brauch und fügten den Adventkranz und den Christbaum hinzu.

Naja - die Protestanten grenzten sich wiederum ab und verbreiteten die Vorstellung des Weihnachtsmannes. Erwähnt ist hier das bekannte Lied von Hoffmann von Fallersleben aus dem Jahr 1835 “Morgen kommt der Weihnachsmann”. Einige Jahre später stellte Moritz von Schwind ihn erstmals - wohl an die Nikolausfigur angepasst - malerisch dar. Ein alter bärtiger Mann mit rotem Mantel. Der Auswanderer Thomas Nast “erschuf” 1863 den amerikanischen Santa Claus mit seinem Rentierschlitten. Der Name leitet sich vom holländischen Sinterklaas ab.
Und dann kreierte der Grafiker Sunblom in den 20iger Jahren den Coca-Cola-Mann, der sich in populärster Weise in die Kinderherzen einschlich.

Die Bösen mit Charme:

PerchtAls bestrafender Begleiter des Nikolaus wurde im 17. Jahrhundert der Krampus aus der Perchtenschar herausgelöst. Krallen (crampa), Hörner, langer Schwanz und eine Rute sind seine Merkmale - dennoch ein Untergebener des Nikolaus, der ihn fest im Griff hat. Mit dem Teufel haben übrigens weder die Percht noch der Krampus etwas gemein. Beide stehen trotz ihrer bösartigen Rolle im Endeffekt für das Gute.
In verschiedenen Gegenden entwickelten sich ähnliche Spezialperchten - in Österreich, Norditalien und Süddeutschland hat sich dieser Brauch bis heute erhalten.

Luther - der ja katholische “Erfindungen” nicht akzeptierte und heidnische schon gar nicht - schickte den Knecht Ruprecht in Deutschland mit Geschenken los. Er vereint den Nikolaus und den Krampus mehr oder weniger, verteilt Geschenke, hat aber auch eine Rute im Gepäck. Verwandt sind sie jedoch keinesfalls.

Die Hässlichen und Schönen:

Die Perchten sind vom Ursprung her zwischen den Jahren unterwegs. Sie entstanden bereits in der Antike. “peraht” bedeutet prunksüchtiges Weib. Oft sind sie auch doppelgesichtig und wenige spezielle Perchten (z.B. eben der Krampus) sind von den Katholiken aus dem heidnischen Glauben abgewandelt.
Perchten wachen über die Feiertags- und Arbeitsruhe und vertreiben dunkle Mächte. Hinter der Dunkelheit vermutete man böse, finstere Dämonen, die man mit ebenso Hässlichen bekämpfen könnte. Bis in die Frühlingsmonate sollten sie es dann auch endlich geschafft haben, die frühe Dunkelheit dieser Tage zu verscheuchen - dann tritt die Schönpercht in Aktion und sorgt für Fruchtbarkeit.

Percht Percht

Heute nimmt man das wohl alles nicht mehr so genau, das Bauchtum, der Volksglaube wird dennoch weitgehend erhalten… interessant ist es allemal.

Nikolaus, ein Kinderschreck?

In Wien wurde heuer eine Diskussion ausgelöst. Der Nikolaus hat Hausverbot in Kindergärten.
Angeblich fürchten sich die Kinder zu sehr vor dem bärtigen Kinderbischof.
Also ehrlich - das ist doch mehr als überzogen. Immerhin ist der Nikolaus ein Heiliger, hat seine Wurzeln im Guten und ist wichtig für Tradition und Brauchtum. Schade, dass er hier geradezu horrorisiert wird.

Im Gegensatz dazu hat der Nikolaus einen Begleiter - zumindest in Österreich und Süddeutschland. Der Krampus - der Bestrafende. Hier gibt es allerdings eigene “Krampusschulen”, die den Akteuren pädagogische Hinweise mit auf ihren Weg geben sollen.

Meine Kindheit ist ja nun schon eine Weile zurück. Ich könnte mich nicht erinnern, mich jemals vor dem Nikolaus gefürchet zu haben - wohl aber habe ich heute noch ein Krampustrauma ;-))
Rücksicht auf Kinderseelchen wurde seinerzeit noch keine genommen. Wir Kinder wurden noch hinter den Tischen hervorgezerrt und ordentlich in Krampusmanier in die Zange genommen.
Naja - bis auf den Umstand, dass ich mich generell vor gruselig maskierten Menschen ein wenig fürchte - hat es mir auch nicht geschadet. Und diese Furcht ist im Grunde eine ganz natürliche.

Krampus- und Perchtenumzüge finden in unserer Gegend seit dem letzten Wochenende statt. In Klagenfurt waren an die 1000 Stück davon unterwegs. Schaurige Gesellen - Höllenlärm. Da kann einem schon der Schrecken auf der Schulter sitzen!

… davon später mehr …

Barbara

Seit dem 15. Jahrhundert wird am 4. Dezember - so sagt der Brauch - ein Obstbaumzweig, vornehmlich ein Kirschzweig, geschnitten und in eine Vase im geheizten Zimmer zu stellen. Blüht nun dieser Zweig genau zum Weihnachtstag ist das als gutes Zeichen für die Zukunft zu sehen. Manchmal schneidet auch jedes Familienmitglied einen eigenen Zweig mit Zetteln versehen ab. Derjenige, dessen Zweig nun blüht, dessen Wünsche gehen in Erfüllung.

BarbarazweigeDie Barbarazweige halten mancherorts auch als Liebesorakel her. Mädchen schneiden mehrere Zweige eines Kirschbaumes und versehen diese mit Namenszettel von potentiellen Verehrern. Derjenige, dessen Zweig nun blüht ist der Auserwählte. Die Blüten müssen allerdings bis zum Weihnachtstag aufgegangen sein, sonst gilt das Mädchen als unkeusch und unrein.

Rein theoretisch betrachtet ist die Zeitspanne vom 4. bis 24. Dezember genau darauf ausgerichtet, bei angemessener Temperatur die Zweige blühen zu lassen. Geht diese Rechnung nicht auf - wird wohl was dran sein, an den Gerüchten. Oder die Zimmertemperatur hat diesmal einfach nicht gepasst! ;-)

Zur heiligen Barbara:
Sie ist die Schutzpatronin der Architekten, Gefangenen, Feuerwehrleute, Bauarbeiter, Verwundeten, für das Wetter und für Bergleute. (Aufzählung nicht vollständig!). Sie lebte im 3. Jahrhundert in Kleinasien nördlich von Istanbul (Izmit). Eine Legende besagt, dass der Vater die überaus schöne Barbara in einen Turm einsperrte, wenn er verreiste, um sie am heiraten zu hindern. Sie war sehr unglücklich über dieses Misstrauen des Vaters und suchte ihr Glück im christlichen Leben, ließ sich heimlich taufen. Als der Vater nun einmal von einer Reise zurückkehrte, sah er, dass im Turm nun drei statt zwei Fenster eingebaut waren. Barbara gestand ihm ihren Glauben und erklärte, dass die drei Fenster das Symbol für die Dreifaltigkeit wären. In Zeiten der Christenverfolgung reagierte ihr Vater mit einem Verrat an der eigenen Tochter. Sie musste für ihren Glauben sterben, den Vater erschlug unmittelbar nach ihrem Tode der Blitz.

Das Brauchtum der Barbarazweige wird in ihrer Gefangenschaft begründet. In ihrer Zelle soll sie einen Kirschzweig mit Wasser befeuchtet haben, um ihn zum Erblühen zu bringen, was ihr in den letzten Tagen vor ihrem Todesurteil Trost spendete.

1. Advent

Die erste Adventwoche bricht an - kaum zu glauben.

Der erste Advent bedeutet im christlichen Glauben Wiederkunft Christe am Jüngsten Tag.

Historisch bekannt ist es, dass die Adventzeit zum ersten Mal im 5. Jahrhundert bewusst und dokumentierbar zelebriert wurde. Der Ursprung scheint im Gebiet rund ums italienische Ravenna zu liegen.

Früher galt die die Zeit zwischen dem viertletzten Sonntag vor dem Christtag und demselbigen als Fasten- und Bußzeit, in der nicht weltlich gefeiert werden durfte. Der Tanz sowie das Heiraten beispielsweise waren strengstens untersagt. Es war und ist die Zeit der inneren Einkehr. Adventkalender und Adventkranz gab es in der mittelalterlichen Zeit noch keinen. Diese wurden erst im 19. bzw. 20. Jahrhundert erfunden, um die Vorfreude auf Weihnachten zu steigern.
Diese Zeit fällt in unseren Breiten in die dunkle Jahreszeit mit den langen Nächten. Es ist also nicht verwunderlich, dass heidnische Bräuche durch die Kirche nicht verbannt, sondern nur abgewandelt wurden. Stellte man früher Lichter auf, um gute Geister einzuladen, so sah man es nun als Licht Christus, das Hoffnung geben soll.
Auch das Aufstellen von Krippen hat seinen Ursprung bereits in der mittelalterlichen Zeit. Franz von Assisi ist hier vielleicht einer der Begründer dieses Brauches. Er stellte eine Stallszene in einer Höhle nach, um damit dieses Geschehnis den Gläubigen nahe zu bringen. Da die Menschen nicht nach Bethlehem reisen konnten, bauten sie sich dieses Ereignis nach.

Seit langen Zeiten sind Frauen damit beschäftigt Gebäck zuzubereiten. Gewürze wie Anis oder Pfeffer waren in der mitteralterlichen Zeit sehr teuer und begehrt. Bis heute ist der Duft von Anisplätzchen oder Pfefferkuchen nicht mehr wegzudenken.
Es waren doch auch Wochen voller unheilbringener Mythen, die die Dunkelheit der langen Nächte, die eisigen Schneestürme und der tiefe Winter mit sich brachten. So wurden einerseits der Glaube und die Vorfreude jedes Jahr aufs Neuerliche durch zahlreiche Riten, die sich bis heute erhalten haben, bekundet - andererseits die Riten, die das Böse abwehren und das Gute anziehen soll beibehalten.

Advent

Lied im Advent

Immer ein Lichtlein mehr
im Kranz, den wir gewunden,
daß er leuchte uns so sehr
durch die dunklen Stunden.

Zwei und drei und dann vier!
Rund um den Kranz welch ein Schimmer,
und so leuchten auch wir,
und so leuchtet das Zimmer.

Und so leuchtet die Welt
langsam der Weihnacht entgegen.
Und der in Händen sie hält,
weiß um den Segen!

Matthias Claudius (1740 - 1815)

Hlg. Martin / Fasching

Am 11.11. sind zwei Ereignisse volkstümlich relevant - Martinsbräuche, Faschingseinläuten

Zum einen wird dem Heiligen Martin gedacht. Martin wurde etwa 316 in Pannonien als Sohn eines Römers geboren und wurde in weiterer Folge Soldat und Offizier, diente unter Kaiser Constantius und Julianus Apostata. In diese Zeit fällt die “Mantelteilung” Stadttor von Amiens. An diese symbolträchtige Geste erinnern wir uns heute in Form der Martinispiele, vorzugsweise von Kindern im Rahmen der Laternenumzüge nachgestellt.
Bald darauf trat Martin aus der Armee aus und widmete sein Leben der Mission bin hin zur Donau. 371 wurde er Bischof von Tours.

Martin ist nicht nur Patron unzähliger Kirchen, vieler Berge und Quellen, sondern auch der Bettler und Winzer. Früher wurden ihm Hühner und Hafer geopfert, die man tags darauf im Gasthaus verzehrte.

Neben den Laternenumzügen hat sich der Verzehr der Martinigans am ehestens bis heute als Brauch gehalten. Man sagt, dass sich dem Heiligen Martin Gänse bei der Mantelteilung mit lautem Geschnatter in den Weg gestellt haben - dafür wurden sie gebraten…
Bei uns gibt es heuer keine Martinigans. Gäbe es Gänsebraten, dann mit Rotkraut, Kartoffelknödel und Kastanien. Dazu gibt es einen feinen Ganserlwein. Zu den Gänsen ist es mir noch wichtig anzumerken: Wenn schon Gänsebraten, dann eine, die ein gutes Leben hatte. Auch heute ist es noch üblich, Gänse zu mästen, zu stopfen und ihnen brutal die Federn zu rupfen. Das muss nicht sein und das muss nicht unterstützt werden. Lieber ein paar Euro mehr ausgeben, beim Metzger des Vertrauens einkaufen und so mit besserem Gewissen genießen können.
Man sagt dem Volksglauben nach, dass ihr Blut gegen Fieber helfen soll, ihr Fett gegen Gicht, eine Feder vom linken Flügel verbrannt und in Wein gemengt wird gegen Epilepsie eingesetzt!

Weniger bekannt ist die “Baumgeschichte”. Die Föhre wurde seinerzeit von Heiden als Sitz eines Dämons verehrt. Martin - wie gesagt als Missionar unterwegs - zerstörte einen heidnischen Tempel und wollte der Vollständigkeit halber nun auch diesen Götzenbaum schlagen. Sozusagen als Probe, ob denn nun der Dämon oder Christus der Stärkere sei, forderten die Heiden Martin auf, er solle sich auf die Seite des Baumes stellen, auf die er geneigt war. Die Heiden begannen den Baum umzuhauen. Dem Naturgesetz zur Folge müsste die Föhre Martin unter sich begraben. Das Gottesurteil entschied sich jedoch für Martin. Wie durch einen Wirbelwind gesteuert, fiel der Baum in die andere Richtung. Die erstaunten Heiden wandelten ihre Glauben…

Dem Volksglauben und altem Brauch nach endet das alte Wirtschaftsjahr und gilt zugleich als Winterbote. Das Vieh kommt in den Stall, im Kamin wird das erste Feuer angezündet. In der Martininacht werden (wurden?) allerlei Liebeszauber und -orakel durchgeführt. Wer in dieser Nacht etwas träumt, wird ein sehr glücklicher Mensch.
An Martini zieht allerdings auch die wilde Jagd umher, so soll man sich vor bösen Mächten mit Peitschenknall und Glockenläuten vorsehen.

****

Heute - also vor gut einer halben Stunde - wurde der Fasching eingeläutet. 11.11., 11:11 Uhr.
Eingeleitet wird diese Zeit vielerorts ebefalls durch lautes Peitschenknallen und Glockenläuten. Hier findet man also eine Gemeinsamkeit mit den Martinibräuchen. Die Burschenschaften oder Faschingsverbände bzw. Gilden bereiten gewöhnlich entsprechende Veranstaltungen vor und wahren auch das Brauchtum dieser Zeit.
Die Narren haben nun für die nächsten 101 Tage das Sagen. Lei - Lei … oder wie auch immer!

Obwohl ich das Gefühl habe, dass unser österr. Fasching heuer schon früher begann - nämlich kurz nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zur Regierungsbildung….

****

Na dann - schönen Samstag, mit oder ohne Gänsebraten, mit oder ohne dem Einläuten der närrischen Zeit!

Volksglaube

Das Fenster in die Vergangenheit

In der Zeitung habe ich heute gelesen, dass in Amerika nur 40 % der Bevölkerung an die Evolutionstheorie von Darwin glaubt. 39 % glauben, dass der Mensch von Gott erschaffen wurde. In Deutschland sind es 70 %, die überzeugt sind, dass sich der Mensch aus der Tierwelt entwickelt hat. (von Österreich stand da nix, aber ich denke, wir sind den Deutschen in dieser Hinsicht ähnlich?!) Der Rest sucht seine Erklärung in anderen Theorien. Egal, was man glaubt - man glaubt. Ohne es geht es nicht, weil wir immer bestrebt sind eine Erklärung für den Ursprung und sein Ende (?) zu finden, für alltägliche und besondere Gegebenheiten und vor allem für den Sinn des Lebens. Neben den Wissenschaften, die ja beweisführend sind, spielen die Religionen und Mythen eine wichtige Rolle.
Wir dürfen uns aussuchen, an was wir glauben - andere leider noch immer nicht.

Von Zeit zu Zeit berichte ich hier von Aberglaube, Mythos und vom daraus entstandenen teilweise noch lebendigen Brauchtum. Manches mag sich fern unserer Zeit lesen, manches lässt sich nicht an unsere moderne Zeit anpassen aber manches lässt sich nicht verdrängen. Über Sinn oder Unsinn zu entscheiden ist nicht wirklich zielführend, weil müßig und zweischneidig. Mir persönlich macht es jedenfalls großen Spaß in alten Büchern zu blättern und auch neue Erkenntnisse der Volkskunde zu erforschen. Spannend ist das direkte Gespräch mit Interessierten. Jüngere Menschen teilen sich hier gerne den verschiedenen Zweigen der Esoterik zu, ältere empfinden ihr Wissen als einfache Lebenserfahrung….

das Fenster in die VergangenheitDer Glaube (welcher auch immer) ist demnach so alt wie die Menschheit selbst. In Zeiten als man noch nichts - oder später nicht viel - über Wissenschaften wusste und herrschende Kreise versucht haben, sie gewissenhaft zu unterbinden, war man förmlich gezwungen, auf anderen Wegen Erklärungen für Gegebenheiten und Geschehnisse zu suchen. Mythologie und Volksglaube übernahmen eine wichtige Funktion, die bis heute noch nicht ganz verdrängt ist. Der Unterschied zwischen Mythen und Volksglaube liegt darin, dass erstere von Göttern und götterähnlichen Helden handeln, während Volkssagen sich hauptsächlich mit gewöhnlichen Sterblichen, wenn auch meist mit übernatürlichen Kräften ausgestattet, beschäftigen. Mythen sind meist systematischer und geschlossener, sie sind ihren Erzählern heilig und manchmal mit einer Art Ritual verbunden - Volkssagen fragmentarischer, diesseitig ausgerichtet, von profaner Natur. Vor allem aber sind Mythen Gemeingut der führenden Schichten (Priester, Herrscher o.ä.), während Volkssagen einer Subkultur zugerechnet werden, die unabhängig davon existiert oder sogar im Gegensatz zur Kultur der höheren Gesellschaftsschichten steht. Der Unterschied wird am deutlichsten, wenn man sieht, dass Volkserzählungen oft im Genre “Märchen” zu finden sind, das großteils nur noch Kindern erzählt wird und Mythen durchaus noch echte offizielle Glaubensinhalte darstellen.
Und doch gleichen sie sich in ihren Erzählmustern. Beide erzählen von der Entstehung des Universums, der Erde, der unmittelbaren Umwelt, des Lebens, von Besuchen im Jenseits oder von magischen Transformationen. Beide sind auf ihre Weise von religiösen Leitbildern geprägt.

Und beide bieten reichlich überdenkenswerten Stoff für unseren Lebensweg. Ich wünsche mir nur mehr Toleranz und Sensibilität für die verschiedenen Glaubensansätze aller Kulturen.

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