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Beiträge mit dem Schlagwort 'Brauchtum'

Knecht Ruprecht

Von drauß´, vom Walde komm´ ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr.
Allüberall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen.
Und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.
Und wie ich so strolcht´ durch den finstern Tann,
da rief´s mich mit heller Stimme an:

"Knecht Ruprecht", rief es, "alter Gesell,
hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
Alte und Junge sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn:
und morgen flieg´ ich hinab zur Erden,
denn es soll wieder Weihnachten werden!"

Ich sprach: "O lieber Herre Christ,
meine Reise bald zu Ende ist.
Ich soll nur noch in diese Stadt,
wo´s eitel gute Kinder hat."

"Hast denn das Säcklein auch bei dir ?"
Ich sprach : "Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
essen fromme Kinder gern."

"Hast denn die Rute auch bei dir?"
Ich sprach: "Die Rute, die ist hier;
doch für die Kinder, nur die schlechten,
die trifft sie auf den Teil, den rechten."

Christkindlein sprach : "So ist es recht,
so geh mit Gott mein treuer Knecht."
Von drauß, vom Walde komm´ ich her;
ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr.
Nun sprecht, wie ich`s hierinnen find!
Sind`s gute Kind, sind´s böse Kind?

Theodor Storm

Der Nikolaus, wie er in unserer Gegend die Kinderherzen erfreut, kam traditionellerweise schon gestern - ohne Krampus versteht sich. Die sahen wir am Wochenende bei diversen Krampusläufen….

Die Bräuche sind von Region zu Region und christlichen Glaubensvorstellungen verschieden, einen kleinen Überblick gab es schon voriges Jahr in diesem Blog. Zur Nachlese Who is who.

Kärntner Osterjause

Osterjause

Es ist natürlich erst morgen nach der Osterweihe soweit, aber Vorbereitungen müssen schon heute getroffen werden. Kochen und Backen stimmt eben auch auf das Osterfest ein.

Zu einer Osterjause gehören ein saftiger Beinschinken, Rinds- und Schweinszunge und geselchte Würstel. Dazu gibt es Kärntner Reindling, Osterpinze, Nuss- und Mohnstrudel und (bei uns) mein Osterbrot nach einem Geheimrezept ;-) - außerdem frischer Kren, Eierkren und Apfelkren sowie jedem sein Osterei.

Nach einer Fastenwoche also genau das Rechte! *grinsel* In wie weit ich heuer mitgenießen kann, wird sich wohl am Tisch entscheiden. (mein Magen - ein ungutes Leiden).

Kärntner Reindlingman nehme:
für den Teig:
500 g glattes Mehl, 30 g Germ (frische Hefe), 1/4 l Milch, 3 Eidotter, 80 g Feinkristallzucker, eine Prise Salz, geriebene Zitronenschale, 1 Päckchen Vanillezucker, 60 g Butter
für die Fülle: 70 g Butter, 70 g gehackte Walnüsse, 80 g Rosinen, 50 g Feinkristallzucker, reichlich Zimt

man mache damit folgendes:
Germ und ein Drittel der lauwarmen Milch verrühren. Dann ein wenig Mehl einmengen, sodass ein dickflüssiger Teig entsteht = Dampfl. Das Dampfl mit Mehl bestauben und zugedeckt ca. 15 Minuten rasten lassen. Restliche Teigzutaten mit zerlassener Butter vermischen, unter das Dampfl mengen, gut verkneten und zugedeckt bis zur Hälfte aufgehen lassen (an einem warmen, zugfreien Ort). Danach den Teig ausrollen und mit flüssiger Butter bestreichen. Walnüsse und Rosinen gleichmäßig auf den Teig verteilen, mit Zucker und Zimt bestreuen, zu einer Rolle formen und in eine ausgebutterte Gugelhupfform legen. Teig nochmals bis zur Hälfte aufgehen lassen und im vorgeheizten Backrohr auf mittlerer Schiene bei 160 °C etwas mehr als eine halbe Stunde backen. Augekühlt mit Streuzucker bestreuen.

Den Namen hat der Reindling (auch Reinling) deshalb, weil er ursprünglich nicht in einer Gugelhupfform, sondern in einem feuerfesten Topf (= kärntnerisch Reindl, Reinl) gebacken wurde.

Frohe Ostern!

Gründonnerstag

Zu Gründonnerstag fällt Dir spontan Spinat ein? Mir auch, doch die Bedeutung grün kommt weder von der grünen Farbe des Spinates noch von der nun grün werdenden Natur. Vielmehr leitet sich der Begriff vom mittelhochdeutschen “grinen” ab, was soviel wie weinen bedeutet. Den christlichen Geschehnissen nach, wurden an diesem Tag die engsten Vertrauten Jesus zum Abendmahl gebeten. (Passahmahl)

Dennoch gilt dieser Tag heute als Fastentag, wobei eben vor allem grünes Gemüse erlaubt ist. Es verleiht Frische und Kraft. So bleibt es nicht aus, dass sich um Speisen auch Aberglaube rankt. Werden neun verschiedene Kräutersorten verspeist, beugt man Fieberanfällen vor. Honig, Linsen oder Hirse versprechen Geld, ein Apfel (mit Stiel und Gehäuse) verspricht Gesundheit. Ein Gründonnerstagsei soll gefährliche Tiere und Ungeziefer abwehren und stellen aufgehängt an Dachbalken einen Schutz vor Lawinen und Hochwasser dar. Pflanzen und Bäume wachsen an diesem Tag besonders gut an und auch Fensterblumen, die angesetzt werden, blühen besonders reich.
Mancherorts haben sich Bräuche mit lautem Krach erhalten, die Abwehrcharakter besitzen und auf den Frühlingsbeginn hinweisen. Die Dämonen des Winters werden endgültig vertrieben.

Aber zurück zum katholischen Glauben. In den Messen wird das Abendmahl mit Jesus gefeiert. Erinnert wird auch an das Waschen der Füße seiner Jünger. Füße waschen war Sklavenarbeit und symbolisiert somit Dienstbarkeit. Dieses Symbol hat sich bis heute erhalten. Schon 694 sind liturgische Fußwaschungen aus Spanien überliefert. Am Gründonnerstag wird das “Allerheiligste” aus den Kirchen getragen. Die Tabernakel bleiben leer und offen, die Altäre schmucklos.
Die Glocken bis zur Osternacht nicht mehr. Man glaubt, sie fliegen nach Rom… deshalb ist es vielerorts üblich, Gläubige mit Ratschen (Holzklappern) zur Messe zu rufen. Meist übernehmen das die Kinder der Gemeinden.

Der Fastentag kommt mir sowieso gelegen. Seit Montag schlage ich mich mit einer argen Magen-Darmverstimmung herum. Essen behalte ich kaum bei mir. Auch kein grünes Gemüse.

Wann ist Ostern?

Diese Frage stellt sich gleich oft, wie die, ob man nun die Uhr zur Sommerzeit eine Stunde vor oder eine Stunde zurück stellt.

Der Zeitpunkt des Osterfestes richtet sich nach dem ersten Frühlingsvollmond. Der Frühling beginnt entweder am 20. oder am 21. März. Das ist der Zeitpunkt, an dem die Sonne durch die Ekliptik in nördliche Richtung wandert.
Das Osterfest findet am Sonntag nach dem Vollmond statt. Rechnet man nun 40 (Werk)Tage zurück - so ergibt sich der 1. Fastentag (Aschermittwoch). Diese Berechnung geht auf das Konzil von Dionysius Exiguus im Jahre 525 zurück und leitet sich vom Passahfest ab (Metonischen Zyklus), wobei der Frühlingsanfang auf den 21.3., 00:00 Uhr festgelegt wird. Es kann also durchaus vorkommen, dass der Frühling am 20.3. beginnt und an diesem Tag auch Vollmond ist - deshalb der fix angenommene Frühlingsanfang. In diesem Fall verschiebt sich das Fest um einen Mondzyklus.
Der Frühlingsvollmond kann natürlich an jedem beliebigen Wochentag vorkommen, der erste Osterfeiertag ist jedoch immer ein Sonntag.
Dieser Termin gilt allerdings nur für die römisch-katholische Kirche. Andere Konfessionen unterscheiden sich - das Passahfest der Juden beispielsweise wird unabhängig vom Wochentag gefeiert. Ostkirchen richten sich nach dem Julianischen Kalender (im Gegensatz zum Gregorianischen), so variieren auch hier vergleichsweise die Feste.

April

Der April steht hier besonders im Zeichen des Osterfestes mit einigen Bräuchen und Entstehungsgeschichten. Kalendermäßig fallen diese Feste auch oftmals in den Monat März, da Ostern im kirchlichem Sinne kein fixes Datum umreißt.
Zu seinem Namen kam der April wahrscheinlich vom lateinischen Wort “aperire”, was “öffnen” bedeutet. Das hängt wohl mit dem Frühling zusammen, der in der Natur “alles öffnet”. Der April wird auch als Ostermond bezeichnet und ist aufgrund des Wetters das Sinnbild der (Wetter-) Wendigkeit.

Der erste April ist der Geburtstag des Judas, deshalb wird er für einen Unglückstag gehalten. Aus diesem Anlass wurde das “In-den-April-schicken” üblich, wobei einfältige Leute oder Kinder scherzhaft vergaugelt wurden. Der Brauch mag auch auf das Fest der Quirinalia der Römer zurückgehen. Durch scherzhafte Aufgaben unausführlicher Aufträge an Bekannte oder Freunde oder auch durch ein gewisses Veräppeln wird in den April geschickt. In England zum Beispielt nennt sich dieser Tag auch “all-fools-day, wobei hier den Leuten Papierpuppen an die Kleider gehängt werden. Verbreitet ist dieses Treiben jedenfalls in ganz Europa. In Italien als “pesche d´avrile” bekannt, was soviel wie Aprilfischen bedeutet, woraus sich der Sinn ebenfalls assoziieren lässt. Ebenso werden Briefe mit scherzhaften Inhalt versandt.
Wegen der großen Freude und Heiterkeit dieses Brauches wird von manchen Volkskundlern auch angenommen, dass es Restbestände von alten Frühlingsbräuchen sind.

Als Unglückstag hat der erste April auch andere Bedeutung. An diesem Tag sollte man keinesfalls in den Wald gehen, auch Feldarbeit wirkt sich ungünstig aus. Säen und Pflanzen ist verpönt und bedeutet eine schlechte Ernte. Letzteres erscheint mir jedoch weniger abergläubisch als logisch, folgen doch in Kürze die Eisheiligen, die die Saat beschädigen könnten.
Als erfreulich anzusehen ist es, wenn es am ersten April regnet, das spricht für ein gutes Wirtschaftsjahr.

Es hat geregnet - das “In den April schicken” habe ich heuer verschlafen ;-))

Fastenzeit

Zeit der Einkehr und Besinnung. Das Fasten ist in fast allen Kulturkreisen bekannt und wird auch weitreichend praktiziert. Meist befristet sich dieser tiefsinnige Brauch auf eine bestimmte Zeit. Im Christentum sind dies vor allem die Freitage, bestimmte Tage vor hohen kirchlichen Festen und vor allem die Karwoche vor den Osterfeierlichkeiten. Streng genommen auch die 40 Tage von Aschermittwoch bis Ostersonntag. An manchen Tagen wurde oder wird auch nur auf gewisse Speisen - meist Fleisch - verzichtet. In manchen Regionen muss auch das Vieh mitfasten.
In der mittelalterlichen Zeit wurde die Fastenzeit streng eingehalten und bestenfalls durch eine Sättigung am Tag unterbrochen. In vielen Haushalten, vor allem bei den reicheren Schichten, entwickelten sich dafür eigene Fastenspeisen. Ursprünglich bestanden diese nur aus Wasser und Mehl, doch die Hausfrauen waren auch damals schon sehr kreativ. Typische Fastenspeisen waren oder sind Laugengebäck, Beugel oder etwa Salzgebäck. Nennenswert sind hier auch die Klosterküchen, die schon auch aus eigenen Teichen Fische zubereiteten. In Klöstern wurde übrigens auch das bekannte Klosterbier gebraut, wodurch diese Einrichtungen hohe Gewinne erzielten.
Neben dem Fasten und dem damit verbundenen Essverbot, bestand jedoch das Gebot vermehrt zu beten. Spirituell gesehen kann übermäßig langes Fasten psychische Ausnahmezustände verursachen. So waren Visionen oder hellseherische Fähigkeiten nicht selten. In diesem Zusammenhang war Nüchternheit auch Vorbedingung für magische Handlungen. So gesehen war die Fastenzeit auch Geisterzeit - es wird vom Schimmelreiter, vom Feuermann und der weißen Frau erzählt.
So streng wie seinerzeit wird die Fastenzeit heute nicht mehr gesehen, doch man besinnt sich gerne auf diese. Heute auch im Hinblick darauf, nach Zeiten der Völlerei seiner Figur etwas Gutes zu tun. Mystiker und Esoteriker schwören im Zusammenspiel mit spirituellen Riten auf die Reinigung der Seele, die durch die selbst auferlegte Nahrungsverweigerung erreicht werden soll.

Ich faste heuer auch wieder einmal recht streng, mehr oder weniger aus gesundheitlichen Gründen… zur Zeit geht es noch recht locker zu, doch gerade dabei ist die Versuchung ein Feind. Ich freue mich schon richtig auf meine Hauptkur (nach F.X. Mayr - mehr dazu im letzten Beitrag). Ich bin davon überzeugt, dass gänzlicher Verzicht wesentlich leichter ist als eine Einschränkung.

Neujahr

Der Abschied vom Alten und die Begrüßung des Neuen.
Das neue Jahr zu begrüßen ist eher ein weltliches als ein kirchliches Fest. Schon im antiken Rom wurden hier pompöse Feste gefeiert, die von der Kirche als heidnisch verpönt waren. Der Neujahrstag war bis zum 7. Jahrhundert dem Hochfest der Gottesmutter Maria gewidmet. Die Bevölkerung ließ es sich nicht nehmen, an diesem Brauchtum festzuhalten. Im kirchlichen Sinne wurde das neue Jahr am 6. Jänner eingeleitet.
Bis heute ist Neujahr jedoch auch ein Anlass, Messen zu lesen, Glocken zu läuten oder Turmbläser ihres Amtes walten zu lassen.

Am Neujahrstag, der bekanntlich um Mitternacht beginnt!, werden Glücksbringer ausgetauscht und “der gute Rutsch” (= leitet sich wahrscheinlich vom hebräischen Namen des jüdischen Neujahrsfestes “Rosch Hashana” ab. Der Ausdruck bedeutet soviel wie “Kopf oder Anfang des Jahres”) gewünscht. Umrahmt zumindest in Österreich gewöhnlich mit den Glocken der Pummerin in Wien, mit dem Donauwalzer, den Versprechen von guten Vorsätzen, die jedoch selten eingehalten werden und jede Menge Pöller und Raketen, Bleigießen und Orakeln ist natürlich auch beliebt. Der Ursprung all dieser Bräuche liegt wohl dem Lärm nach zu schließen darin, böse Geister zu vertreiben und der Zukunft zu orakeln. Im Mittelalter ist dieses Fest als “Fest der Narren” bekannt.
Verschiedene Glückssymbole versprechen Wohlstand und ein friedvolles Jahr. … das Schwein, der vierblättrige Klee, der Rauchfangkehrer und der Marienkäfer zum Beispiel.
Am Neujahrstag sollte unbedingt Schweinefleisch verzehrt werden. Das Schwein bringt Glück. Es heißt ja nicht umsonst “Schwein gehabt” ;-) Früher war übrigens in Kartenspielen das Schwein auf dem Ass abgebildet. Wer die “Sau” hatte, hat meist auch schon gewonnen. Isst man hingegen Geflügel, so fliegt das Glück davon.

Ich wünsche ein gutes Neues Jahr, mögen sich alle Vorhaben erfüllen lassen!

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09
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  • Der Aberglaube ist überall eine notwendige Folge außergewöhnlicher Naturerscheinungen, deren Gründe unbekannt sind
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