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Beiträge der Kategorie 'Literatur/Kultur'

Weihnachtslied

Vom Himmel in die tiefsten Klüfte
ein milder Stern herniederlacht;
vom Tannenwalde steigen Düfte
und hauchen durch die Winterlüfte
und kerzenhelle wird die Nacht.

Mir ist das Herz so froh erschrocken,
das ist die liebe Weihnachtszeit!
Ich höre fernher Kirchenglocken
mich lieblich heimatlich verlocken
in märchenstille Herrlichkeit.

Ein frommer Zauber hält mich wieder,
anbetend, staunend muss ich stehn;
es sinkt auf meine Augenlider
ein gloldner Kindertraum hernieder,
ich fühl´s, ein Wunder ist geschehn.

Theodor Storm

Die erste Schneeflocke

Es fällt immer eine erste Schneeflocke,
was auch für ein Gewimmel nachher kommen mag.

sagte Jakob Corvinus und Recht hat er - logisch.

Die erste Schneeflocke fiel heute am Nachmittag und dann noch jede Menge, leider gesellt sich ab und an auch Regen dazu.
Könnte sich dennoch für eine weiße Weihnacht ausgehen…

Drei Spatzen

In einem leeren Haselstrauch,
da sitzen drei Spatzen, Bauch an Bauch.

Der Erich rechts und links der Franz
Und mittendrin der freche Hans.

Sie haben die Augen zu, ganz zu,
und oben drüber, da schneit es, hu!

Sie rücken zusammen dicht, ganz dicht.
So warm wie der Hans hat´s niemand nicht.

Sie hör´n alle drei ihrer Herzlein Gepoch.
Und wenn sie nicht weg sind, so sitzen sie noch.

Christian Morgenstern

Ob die Spatzen nun heuer auch wirklich auf Schnee warten, weiß ja niemand so genau. Ich hätte schon gerne ein wenig Weiß - zumindest auf den Bergen wäre es schön. In der Stadt mag ich ihn ja nicht so und schon gar nicht vor dem Garagentor.

Außer Regen fällt jedoch auch heute nix vom Himmel.

Goethe, ein Dahlienfreund

Es ist bekannt, dass Goethe ein großer Pflanzenfreund war. Unzählige Gedichte und Zitate zeugen davon. Auch heute kann man in dieser Wortwahl seine herzliche Nähe zur Natur spüren. Er war nicht nur ihr Freund, sondern vertiefte sich in Naturwissenschaften, Botanik und Gartengestaltung.

Die Pflanze gleicht den eigensinnigen Menschen,
von denen man alles erhalten kann,
wenn man sie nach ihrer Art behandelt.
Ein ruhiger Blick
eine stille Konsequenz,
in jeder Jahreszeit,
in jeder Stunde
das ganz Gehörige tun,
wird vielleicht von niemand mehr
als vom Gärtner erwartet.

Um 1814 sollen er schon eine große Dahliensammlung in seinen Gärten gezogen haben. Veredelt und verbreitet hat diese Blume zu dieser Zeit Goethes Freund Dreyssig. Er soll 42 Arten benannt haben. Damals bezeichnete man Dahlien übrigens als Georginen.

Im Europapark in Klagenfurt gab es kürzlich eine große Dahlienausstellung. Große Beete voller Unterarten dieser vielfältigen Pflanze gab es zu bewundern. Ein Traum. Ich weiß zwar nicht, wie es heute aussieht, aber - ich denke es ist zwei, drei Wochen her - hatte ich ja rein zufällig meine Kamera mit - für das Internet hat z.B. Elke Crocoll eine schöne Auswahl mit Beschreibung bereit gestellt.

Dahlie

Dahlie

Dahlie

Dahlie

Überlass es der Zeit (Fontane)

geb. 30. Dezember 1819 in Neuruppin; gest. 20. September 1898 in Berlin; Apotheker, deutscher Schriftsteller; poetischer Realismus;

Überlaß es der Zeit

Erscheint Dir etwas unerhört,
bist Du tiefsten Herzens empört,
bäume nicht auf, versuch es nicht mit Streit,
berühr es nicht, überlaß es der Zeit.
Am ersten Tag wirst Du feige Dich schelten,
am zweiten läßt Du Dein Schweigen schon gelten,
am dritten hast Du es überwunden;
alles ist wichtig nur auf Stunden,
Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter,
Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

Karl May und seine Legenden

Dialog zwischen meinen Kindern und einem Freund:
“Kennst du Winnetou?” - “WAS ist denn das?” - “Ein Indianer, wir waren gestern bei den Karl May Festspielen - das war cool - da wurde auch eine echte Granate gezündet!” - “Aha!!??”.

WAS ist denn das? Daran merkt man auch, wie alt man ist, denke ich mir beim Zuhören. (Obwohl die Geschichten von Karl May schon zu meiner Jugendzeit nicht neu und druckfrisch waren - versteht sich ja von alleine! - aber vorgelesen und nähergebracht wurden sie uns von den Eltern und Großeltern).
Zugegeben meine Kinder wussten vorher auch nichts über Karl May und seine Helden samt Unholden. Es war auch nicht Winnetou und Old Shatterhand, die es meinen Kindern im Endeffekt angetan hatten - sondern die Stunt- und Trickeinlangen. Brennende Körper, viel Rauch, alles unter dem rasanten Galopp von rassigen Pferden. DAS ist “Äktschen”!
… bei Gelgenheit krame ich in der alten Bücherkiste, da müsste auch der Schatz im Silbersee zu finden sein - vielleicht finden die Kinder doch Interesse daran.

Schon seit 1993 werden die Karl May Festspiele in Weitensfeld veranstaltet. Heuer - gestern - haben wir es endlich geschafft, eine Vorstellung zu besuchen.

Mein Herzerl schlägt ja gleich um Takte höher, wenn sich Winnetou und Old Shatterhand im galanten Trab treffen.

Winnetou und Old Shatterhand

Ohne den “Bösen” wäre Karl May nicht Karl May. In diesem Fall die Gruppe um Cornel Brinkley und die Utah-Indianer, die den Mord an zwei ihrer Stammesmitglieder rächen wollen.

Gruppe um Brinkley

Utah-Indianer

“Opfer” bleiben nicht aus. Fred Engel und Ellen Patterson werden sowohl von Cornel Brinkley als auch von den Utahs verfolgt.

Fred Engel, Ellen Patterson

Und zwischendurch ist Platz für die “Witzigen”, die das “Gute” auch auf ihre Weise unterstützen. Sam Hawkens darf nicht fehlen - und der Franzose (wie hieß er??)

Sam Hawkens und Franzose

Von den Stunteinlagen erzählte ich anfangs:

Stunt brennender Mann

Wer immer in der Nähe von Weitensfeld kommt - nicht verpassen. Zwar einfach in der Inszenierung gestaltet und keine imposante Kulisse erwarten den Zuschauer, dafür aber Karl May Feeling pur.

Das Parfüm …

… Die Geschichte eines Mörders, Patrick Süskind, 1985

Im Herbst ist es so weit - der Kinofilm naht. Ich bin schon auf die Umsetzung gespannt und eher skeptisch. Ich kann mir nicht vorstellen, diesen Inhalt in einem Drehbuch so zu gestalten, dass er die vielschichtigen Interpretationsmöglichkeiten offen lässt.

Das Buch selbst habe ich einige Male in den letzten Jahren gelesen. Faszinierend und eindeutig auf sprachlich-beschreibender Basis ein Lesevergnügen. Die facettenreiche Hauptfigur Jean-Baptiste Grenouille - bizzar, schockierend, teuflisch, furchterregend, leidvoll, schicksalbehaftet - formt dennoch keinen Krimi, keinen Horrorstoff. Alleine das zeugt von einer Meisterleistung in Sachen Erzählkunst. Süskind wählt dabei den auktorialen Erzählstil - er stellt sich allwissend über seine Figuren, beschreibt verschiedene Handlungen zeitgleich, beschreibt Vergangenheit und Zukunft. Eingangs gibt er zu erkennen, dass er als Erzähler aus der Gegenwart spricht. Interessant ist auch, dass er die direkte und die indirekte Rede verwendet. Das hat teilweise eine vermittelnden Effekt zwischen Leser und den Figuren.

Das Parfüm, Süskind

Über den Inhalt möchte ich hier nicht viel schreiben - eigentlich gar nichts - die Spannung soll ja nicht vorweggenommen werden. Auch meine eigenen Gedanken zum Stoff würden wahrscheinlich die Erstwirkung beeinflussen. Obwohl ich selbst fast ein Buch darüber schreiben könnte - wenn ich nur schreiben könnte ;-)

Neuerdings ist “Das Parfüm” Pflichtlektüre in Schulen. Ich hoffe, Lehrer stehen ihren Schülern in Interpretationsdiskussionen hilfreich zur Seite. Seit dieses Buch Schulstoff ist, gibt es selbstverständlich auch Interpretationshilfen im Handel.
Unumstritten ist dieses Buch ja nicht. Auf einige Leser wirkt es “nur” abscheulich und ist literarisch gesehen keinen Cent wert.

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