Schulstart - Lernfähigkeit

Wir haben zwar noch eine Woche Ferien, aber in einigen Bundesländern fängt heute die Schule an. Meine Jungs besuchen beide das Gymnasium und ich denke, sie werden dieses Schuljahr auch gut über die Runden bringen. Ich kann mich noch so gut daran erinnen, wie sie vor 6 bzw. 4 Jahren mit ihren Schultüten das erste Mal im Klassenzimmer saßen .. und dann begann das Lernen! ;-)

Lernen muss gelernt werden. Das vorweg. Bis ein Kind überhaupt lernen kann, muss es die Fähigkeit dazu erreicht haben. Nicht bei jedem Schulpflichtigen sind diese so weit ausgebildet, dass er sie auch ohne weiteres umsetzen kann. Um nur einen Buchstaben zu lernen, werden viele Sinne und Fähigkeiten gefordert - zwei Buchstaben miteinander zu verbinden, damit ein einfaches Wort geschrieben und in der Folge auch gelesen werden kann, ist keine Stelbstverständlichkeit. Geistiges, visuelles, akustisches, räumliches und motorisches Vermögen spielen hier zusammen.

Die ersten Buchstaben, die ein Kind in der Schule lernen wird, zeigen, was abverlangt wird: Das wird wahrscheinlich “I” und das “M” sein.
Der Lehrer malt nun einen Strich auf die Tafel und erklärt, dass er ein “I” bedeutet. Das Kind muss nun diesen Strich in sein Heft zeichnen. Dazu muss es in der Lage sein, den Bleistift entspannt zu halten und eine gerade Linie zu ziehen. Für ein Kind ist das immer nur ein Strich. Es muss also visuell aufnehmen wie dieser Strich aussieht, motorisch in der Lage sein, ihn abzuschreiben, ihn räumlich geschickt in das Heft genau in die Zeile platzieren und es muss hören können, dass es sich um ein “I” handelt. Geistig muss es also auch so weit sein, dass es sich merken kann, was dieser Strich zu bedeuten hat.
Beim “M” ist es noch viel komplizierter. Vier Striche, zwei gerade und zwei schräge. Also wieder visuell und räumlich erfassen, motorisch umsetzen und akustisch einprägen, dass eben diese vier Striche in dieser Anordnung ein “M” zu sein haben.
Man kann sich nun vorstellen, wie schwierig es für manch einen Schulanfänger ist, zwei Buchstaben zu verbinden nur damit ein simples “MIMI” herauskommt!

Wenn nur eine der og. Fähigkeiten schwach ausgebildet ist, führt das zu einer fatalen Kettenreaktion und das Kind wird alle Energie auf diesen Mangel aufwenden. Dadurch werden die besser entwickelten Fähigkeiten jedoch vernachlässigt. Es hat Schwierigkeiten und kann dieses eine Schriftbild nicht dem Katalog, das es im Gehirn anlegt, zuordnen und somit auch nicht wieder abrufen.

Wenn nun eine Schwäche auffällt, sollte man dem Kind fachliche und therapeutische Beratung zukommen zu lassen. Die Erkenntnisse und auch das wissenschaftliche Verständnis in diese Richtung sind sehr weit fortgeschritten.
Das nur so nebenbei, weil es viele Schulanfänger mit Problemen gibt. Die Früherkennung und ein Reagieren darauf sind wichtig.

Ansonsten gilt eines: Die Hausaufgaben nicht vernachlässigen und Üben Üben Üben. Täglich fünf Minuten Lesen und Rechnen, wenn es so weit ist. Den Lehrstoff immer wieder durchgehen und wiederholen, aber nie vergessen: Das Spielen und der Ausgleich darf nie zu kurz kommen. Natürlich nicht nur in der Anfangsphase, sondern konsequent das ganze Jahr hindurch …

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