Das Neue Jahr fängt mit einem Erdbeben an. 4,1 wurden auf der Richterskala gemessen, das ist nicht ohne. Das Epizentrum lag rund 30 km von hier entfernt, es war also deutlich zu spüren wie sich die Erde bewegte.
Zum Glück wurden keine Schäden gemeldet. Im letzten Jahr gab es in Kärnten 12 Erdbeben, das stärkste 3,9 nach Richter. Die meisten davon habe ich gar nicht bemerkt - gut so.
Ansonsten war der Neujahrstag eher träge, die Nacht hinterließ ihre Spuren ![]()








Liebe Isa,
ich wünsche Dir und all Deinen Lieben ein gutes neues Jahr.
Liebe Grüße
Agnes
Da mein Bildchen nicht angezeigt wird, hab es jetzt als URL der Website verlinkt, ich hoffe dass Du so meine Wünsche sehen und lesen kannst.
LG
Agnes
Ich wünsch dir ein gutes neues Jahr!
Lg Mauggal
ERDBEBEN
Aus dem Tagebuch; 6. Mai 1976, 21 Uhr
Ich bin in meiner Wohnung in der Nähe von Villach im erstem Stock in der Wohnküche. In dem Raum steht ein großer, massiver, gebrauchter Schreibtisch aus einer Amtsstube, ein Diwan, ein Ölofen und eine kleine Kredenz. Aus der Wohnküche führt eine Tür in das Bad, eine weitere Tür in ein unbenütztes Zimmer. Auf dieser Tür hängt ein Plakat für eine Lesung in Graz. Die dritte Tür führt in den Vorraum und von dort geht eine Stiege in das Erdgeschoss zur Haustüre. Durch das Fenster der Wohnküche blicke ich auf das Blechdach eines Zubaues. Das Haus steht im Dorfzentrum an der Bundesstrasse. Der Autoverkehr hat sich beruhigt, es ist abends vor neun Uhr und es wird dunkel. Im Schein einer Schreibtischlampe sitze ich am Schreibtisch und lese in dem Buch „Im Anfang war der Wasserstoff“ von Hoimar von Ditfurth. Ich bin in die Ausführungen des Buches vertieft. Plötzlich werde ich mit meinem Stuhl, wie von einer Wasserwelle bis zur Zimmerdecke hochgehoben, um dann in ein Wellental hinabzugleiten und mit der nächsten Welle samt Stuhl und Schreibtisch wieder hochgehoben zu werden. Bei der zweiten Welle fängt das Mauerwerk, die Fenster und Türen zu knirschen an. Das ist der Moment wo ich mich aus meiner Starre löse und begreife, dass dies ein Erdbeben ist. Ich stürze zur Zimmertür welche in den Vorraum führt und klammere mich am Türstock fest, der noch immer fiebriert. Ich höre das Aufschlagen von Ziegeln auf dem Blechdach. Vor meinen Augen sehe ich die Bilder aus dem Katastrophenfilm „Erdbeben“, welchen ich vor einer Woche im Kino gesehen habe. Im Geiste stürzt das Haus zusammen. Es kommt mir vor als nehmen die Erstöße kein Ende. Dann ist es still und ich laufe über die Stiege in das Freie. Überall stehen die Menschen vor den Häusern. Aus Angst vor weiteren Erdstößen verbringen viele von ihnen die nächsten Nächte in Zelten auf der Wiese oder im Auto auf einem Parkplatz. Ich gehe noch einmal in die Wohnung zurück, um einige persönliche Dokumente und die Autoschlüssel zu holen. Ich fahre mit meinem Auto zu meinen Eltern in das Drautal und verbringe dort die Nacht. In der Früh kehre ich zu meinem Arbeitsplatz zurück . Es vergeht eine Woche bis ich den Mut habe wieder in meiner Wohnung zu schlafen. Beim Schlafen werde ich immer wieder von leichten Erdstössen geweckt. Neben dem Bett habe ich in einer Handtasche die Schlüssel, Brieftasche und Dokumente griffbereit. In meiner Wohnung sind im Mauerwerk Risse aufgetreten. Bei anderen Häusern und Bauwerken gibt es auch Risse im Mauerwerk und einige Kamine sind vom Dach gestürzt.
In den nächsten Tagen erfahre ich aus den Zeitungen und aus dem Fernsehen welche Katastrophe sich in Friaul im Gebiet der Städte Venzone und Gemona ereignet hat. Das Erdbeben vom 6. Mai 1976 zerstörte die Orte Venzone und Gemona fast völlig und tausend Menschen starben unter denTrümmern. Das Zentrum des Erdbeben, der Stärke 8 bis 9 Grad der zwölfstufigen Mercalli - Skala, lag von uns cirka siebzig Kilometer entfernt und der erste Erdstoß dauerte eine Minute, eine Ewigkeit.