Alleinsein - Einsamkeit

Ferne Berge sind erhabener als nahe Berge. (Jean Paul)

No na nit. Ferne Dinge sind auch interessanter als nahe.

Berge

Das am Nahesten liegendste übersieht man nur zu leicht. Ganz nahe wäre man sich selbst - im Alleinsein.

Gott sprach: “Der Mensch sollte nicht alleine sein” und stellte Eva an Adams Seite, damit ihm nicht gar so langweilig ist. Seither scheint es ein Imageproblem zu sein, wenn man alleine ist.

In unseren Kreisen bedeutet Alleinsein gemeinhin Einsamkeit. Einsamkeit wiederum ist ein Ausschluss vom kollektiven Leben oder gar soziale Unzulänglichkeit.
Wir begeben uns ständig in Massen. Herausgelöst von dieser sind wir unsicher und irritiert.

Von der Arbeit heim gekommen, setzt man sich zur Entspannung vor dem Fernseher, legt die LieblingsCD ein, weicht nicht von der Seite des Partners oder zwingt sich geradezu in Gesellschaft. Heutzutage begibt man sich zudem in die Virtualität, um dem Alleinsein zu entfliehen. Chaträume, Foren und virtuelle Plattformen bieten sich an. Das Alleinsein wird verdrängt - Berieselung von allen Seiten.

Für mich sind Alleinsein und Einsamkeit zwei grundverschiedene Dinge.
Einsamkeit bedeutet niemanden zu haben an den man sich bei Bedarf wenden kann, keine Zuneigung, Zuspruch und Kritik zu erleben. Schlimmer noch ist die Einsamkeit zu Zweit oder gar in der Gruppe. Das Gefühl unverstanden und unbeachtet zu bleiben. Aber dennoch Einsamkeit erlegt man sich selbst auf, sage ich mal frei weg.

Das Alleinsein ist jedoch etwas Wertvolles und Kostbares. Alleine mit sich selbst und einig mit sich selbst werden ist wie eine Schatztruhe, in der man wühlen kann. In sich gehen können, sich kennen lernen, auf innere Stimmen hören… Diese Ruhe, dieses Abschalten und Ausklinken gönnt man sich nur all zu selten. Man hat es wohl verlernt, ist gar nicht mehr in der Lage dazu. Die Angst vor dem Alleinesein drängt zu Flucht.
Warum aber? Warum fürchtet man sich vor der eigenen “Gesellschaft”? Warum klammert man sich leichter an andere als an eigene Bedürfnisse und Wünsche?

Ich bin sogar überzeugt davon, dass die Übung im Alleinsein der einzige Weg ist, um nicht in Einsamkeit zu geraten! Nur wer sich selbst akzeptiert und respektiert, kann auf Andere offen zugehen. Nur dann ist man in der Lage eine Beziehung wirklich frei zu führen und klammert nicht aus Angst vor dem vermeintlichen Alleinsein – der Einsamkeit.

  1. schreibt am 08.November 2006 um 22:16

    Hallo Isa,

    ich gebe Dir da völlig Recht. Oft, aber nicht oft genug ziehe ich mich zurück, zum meditieren, den Gedanken nachhängen, vor mich hin träumen, mal in die Badewanne oder in meinen Raum. Und das tut gut und entspannt besser als Glotze, aber mit berieseln ist nicht, eigener Kopf, vielleicht Kopfkino ist gefragt und das vielleicht manchem zu anstrengend. Ich habe auch kein Problem damit, allein zu verreisen und eher im Gegenteil, wenn ich v.a. zur Vorweihnachtszeit in München bin, oh Graus, zu viele Menschen. Bin ich irgendwie nicht mehr gewohnt.

    Liebe Grüße,
    Ivana

Dein Kommentar dazu:

08